Ein aufregendes Jahr

Ein aufregendes Jahr

Die Zeit vergeht wie im Fluge...

Hier dennoch mal eben Schnell ein kleines Update:

 

Im Sommer 2016 sind wir wieder in unsere Geburtsstadt Meppen gezogen. Meppen ist eine Kleinstadt mit ca. 35.000 Einwohnern im Herzen des Emslandes...von unserem vorherigen Wohnort Rulle nur eine gute Stunde entfernt.

 

Meppen ist eine sehr idyllische Stadt...viel Grün...viel Wasser...eine tolle Infrastruktur...

Doch was uns am meisten antrieb, hier wieder nach 26 Jahren wieder aufzutauchen....also wieder "nach Hause" zu kommen war die Tatsache, dass es hier das Vituswerk e.V. gibt.

 

Als Kind war ich damals bei der Eröffnungsfeier dabei. Damals hieß es noch Kinderhilfe. In all den Jahren entstand hier aber eine ganze Infrastruktur für Menschen mit Behinderungen. Von der Krippe über Wohngruppen bis hin zum Senioren Wohnheim gibt es hier alles. In jedem Viertel von Meppen gibt es Einrichtung vom Vituswerk... Ihr Orchester, der Chor inklusive Angebote von Sportvereinen...die Theatergruppe.... Es vergeht hier kein Fest, keine Veranstaltung und kein Lebensraum, in denen nicht wie selbstverständlich Menschen vom Vituswerk dabei sind. Dabei ist Meppen zu dem so gut aufgebaut, dass man alles innerhalb von 8 Minuten erreichen kann...Kindergarten...Krankenhaus, Autismustherapie, Logopädie etc... Herrlich!!!

Und dann ist da die Offenheit und Empathie der Meppener. Irgendwie erleben wir hier viel weniger komische Blicke und böse Sprüche als in Osnabrück. Hier sind die Bürger durch das Vituswerk gewohnt, dass besondere Menschen um sie sind und ich habe das Gefühl, dass spürt man auch...

Zudem kommt, dass Meppen für Mia nicht zu klein ist - wie Rulle- so dass sie hier später alles vorfinden wird, was sie braucht... Und es ist auch nicht zu groß, so dass sie sich später als Erwachsene und wenn wir vielleicht irgendwann nicht mehr an ihrer Seite sein können in dieser Kleinstadt gut zurechtfinden wird. Also zogen wir mit ihrem älteren Bruder Max in mein altes Elternhaus hier in Meppen ein, derweil die 3 Großen in Osnabrück blieben, um zu studieren....

Es war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten! Wir fühlen uns wohl...sind endlich Zuhause angekommen und auch Max liebt es , hier zu wohnen.

 

Die ersten 4-5 Monate kümmerte ich mich, wenn mein Mann am Arbeiten war, alleine um Mia und Haushalt. Ab November dann erhielten wir 3 Nachmittage pro Woche Unterstützung durch eine persönliche Betreuerin für Mia.  Sie ist bei uns sozialversicherungspflichtig angestellt und wir nutzen dafür Mias Pflegegeld und die Zuwendung der Verhinderungspflege. So teilen wir unsere Energien gut auf. Schon immer halte ich die Qualitätszeit in der Erziehung für wichtiger als die quantitative Zeit mit den Kindern. Mia tut es gut...so hat sie rund um die Uhr jeamnden an ihrer Seite, die entspannt, geduldig und nicht überlastet ist... Und das Konzept ging auf. Mia ist recht ausgeglichen und fröhlich...was will man mehr....

 

Im Januar 2017 fuhren wir noch einmal mit Mia zur Delfintherapie nach Curacao. Die letzten Erfolge und Fortschritte Mias hatten uns sehr beeindruckt. Das wollten wir ihr unbedingt noch einmal ermöglichen...dafür hörten wir sogar mit dem Rauchen auf.... ;-)

Mia lernte in dieser Therapie, Entscheidungen sicher zu fällen. Mia bemerkte noch in der Therapie, wenn sie "pisperte" - was bedeutet, das ihre Körperwahrnehmung sich stark verbessert hatte. Sie wirkte viel konzentrierter und fordert sogar häufig Augenkontakt ein. Noch während der Therapie begann sie Worte selbständig auszusprechen und ihr Lautieren wurde verständlicher... Mia beginnt Mama und Papa zu sagen und spricht klar Ja und Nein aus.....

Fazit: Erfolgreich teilgenommen....so kann es weiter gehen.....

 

Motiviert von den Fortschritten, intensivierte ich die Unterstützte Kommunikation...besuchte Zahlreiche Workshops, Schulungen und Fachtagungen zu dem Thema und probierte vieles mit Mia aus... Die Unterstützte Kommunikation hilft auch im heilpädagogischen Kindergarten - dass Mia den Alltag strukturierter wahrnimmt. sie lernt regelrecht Vokabular mit der App MetatalkDE und nuten die App GoTalkNow spielerisch, woran sie immer mehr Interesse zeit. Die UK wirkt sich wirklich sehr positiv auf ihren Spracherwerb aus... Ich habe wieder viel Hoffnung, dass Mia doch irgendwann sprechen wird.

 

Na und schließlich fällten wir eine wichtige Entscheidung:

Mia wird einen Assistenzhund bekommen, der für autistische Menschen und speziell für Mias und unsere Bedürnisse ausgebildet wird. Der Vertrag ist unterschrieben...im Frühjahr 2018 werden wir Mias Hund kennenlernen und in 2019 wird er bei uns einziehen.... Eine lange Zeit...aber wir freuen uns schon jetzt sehr darauf..... ich werde sicher berichten...

 

Na und dann ist es schließlich soweit. Mia ist Vorschulkind und wir müssen sie an der Schule anmelden. Uns schwebt die Montessorischule vor.  Doch ob sie dort inklusiv mit einer Schulbetreuerin eingeschult wird oder doch in einer Förderschule...das müssen wir endgültig entscheiden. Doch das fällt sehr schwer... Ich halte nicht viel von inklusiver Beschulung  von Kindern mit frühkindlichem Autismus...vielleicht sogar allgemein mit Autismus (Ausnahmen  bestätigen die Regel)...doch andererseits heißt es immer wieder, dass Mia vielleicht doch über eine normale Intelligenz verfügt- sprich keine geistige Behinderung hat....doch sie zeigt es nicht...Man kann nichts abrufen... und andererseits überrascht sie uns, die Ärzte, Pädagogen und Therapeuten mit kognitiven Leistungen, die nichts mit geistiger Behinderung zu tun haben.... Aber da man nichts abrufen kann, sehe ich sie nicht an einer Regelschule....Für Kinder wie Mia wäre Privatunterricht vielleicht sogar das Beste... doch das ist ja ausgeschlossen...

Neulich sagten die Pädagogen... Mia sei eine nonverbalen Autistin mit Sprachbegabung.... Wir mussten so lachen...das ist so absurd... und doch irgendwie wahr... Mia versteht anscheinend viele verschiedenen Sprachen und hin und wieder hören wir  ein italienisches russisches oder lettisches Wort.... Sie spricht am ehesten englische Worte mit uns - reagiert auch besser auf diese... Unsere kleine Wundertüte... Was da wohl noch so alles passiert.... Na ja... und da seit Januar soooo viel passiert ist in ihrer Entwicklung, denke ich , werden wir uns dafür einsetzen, dass sie noch mal ein Jahr zurückgestellt wird. Vielleicht fällt uns die Entscheidung im nächsten Jahr einfacher. Wenn sie sich in den nächsten 12 Monaten in dem Tempo weiterentwickelt, wäre eine Entscheidung für die Montessorischule sicherer - oder die Entscheidung für die Förderschule, wenn wir uns immer noch nicht vorstellen können, dass unser Wirbelwind in einer Regelschule klar kommen kann... Ich denke eine Rückstellung wird immer ersichtlicher...und wir werden Schulleitung und Amtsarzt schon überzeugen ;-)....

 

Die letzten 12 Monate waren aufregend....das Leben mit Mia ist aufregend.... und es vergeht so schnell. Wie lebendig ich mich fühle mit unserem besonderen Sonnenschein und oft gleichzeitig so fix und fertig....Aber es geht voran... Schritt für Schritt...Monat für Monat... und jeder von diesen hält eine neue Überraschung für uns bereit....Was hat Mia doch unser Leben verändert....

 

 

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